Gedanken zum Titelbild

Gedanken zur Jahreslosung 2020

Jahreslosung 2020 (Foto: Lotz - gemeindebrief.de)
Foto: Lotz (gemeindebrief.de)

Was sehen Sie auf der Titelseite? Ich glaube, es ist ein Vorhang mit zwei goldenen Sternen. Und hinter dem Vorhang ist etwas. Vielleicht Äste, ein Baum? Ich weiß es nicht, ich kann nur erahnen, glauben und zweifeln.

Dieser Vorhang lässt mich an den Vorhang in der Stiftshütte bzw. im Jerusalemer Tempel denken, der uns im Alten Testament begegnet. Hinter diesem Vorhang blieb das Allerheiligste verborgen. Ein normaler Mensch durfte diesen Bereich nicht betreten. Nur einmal im Jahr, am Versöhnungstag, durfte ein Hohepriester da hinein. Das Allerheiligste galt als Ort der unsichtbaren Gegenwart Gottes.

Auch erinnert mich dieser Vorhang an meinen „Lebensvorhang“. Ich sehe immer nur das, was vor meinen Augen ist und doch glaube ich, da gibt es so unendlich viel mehr als ich sehen kann. Ich glaube beispielsweise, wenn sich irgendwann mein „Lebensvorhang“ hebt, dass Gott dahinter auf mich wartet. Und trotzdem zweifle ich manchmal, warum Gott den Weltenlauf so geschehen lässt. Um Glaube, Unglaube bzw. Zweifel dreht sich die Jahreslosung 2020. Es sind Worte aus dem Markusevangelium: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24). Der Satz ist einer Heilungsgeschichte entnommen: Ein Vater bittet Jesus, seinen an Epilepsie erkrankten Sohn zu heilen. Der Vater hat schon viel mit dem Jungen durchgemacht, aber niemand konnte ihm bisher helfen. Doch der Vater will nichts unversucht lassen und fragt Jesus: „Hilf uns, wenn du kannst.“ Vertrauen und Glaube an Jesus, aber auch Resignation und Zweifel klingen zugleich aus seiner Bitte. Glaube und Zweifel gehen Hand in Hand. Die Antwort von Jesus provoziert: „Du sagst, wenn du kannst. Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Sogleich schreit der Vater: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

Ich verstehe ihn so: „Wenn du sagst, dass Glauben helfen kann, dann schenke mir doch ausreichend Glauben. Ich bin zu schwach, aus mir heraus habe ich nicht genügend Glauben.“ Und Jesus heilt den Sohn und wahrscheinlich den Unglauben des Vaters.

Diese Geschichte und die Jahreslosung zeigen, dass schon in der Bibel Zweifel zum Glauben dazu gehören können. Das finde ich tröstlich. Gilt doch auch für mich: Ich glaube an Jesus, und manchmal doch nicht genug. Ich vertraue mehr auf mich, anstatt auf seine Kräfte. Oft lasse ich mir von dem sichtbaren „Lebensvorhang“ den Blick auf Gottes Anwesenheit versperren.

Zurück zum Titelbild: Oben auf dem Vorhang sind zwei goldene Weihnachtssterne, die den Stern von Bethlehem symbolisieren. Unter dem Stern von Bethlehem ist Gott (um im Bild zu bleiben) „vor den Vorhang getreten“, er ist mitten in unsere Welt gekommen. Gott blieb damit nicht länger nur verborgen, sondern ward im Kind in der Krippe sichtbar, um uns Menschen so nah wie möglich zu kommen.

Fühlen Sie sich mit Ihrem Glauben und Ihren Zweifeln ganz herzlich in unsere Gemeinde eingeladen. Lassen Sie uns gemeinsam das Kind unterm Stern von Bethlehem suchen und anbeten, auf dass es auch unseren Glauben bestärke.

Ihre Pfarrerin Konstanze Eymann

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