Gedanken zum Titelbild

„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66, 13)

Fotonachweis: Sieger Köder „Ihre Kinder wird man auf den Knien schaukeln“ (Jes. 66)

„Ihre Kinder wird man auf den Knien schaukeln“, so lautet der Titel des Bildes des Künstlers und Theologen Sieger Köder, das Sie vorn auf der Titelseite dieser „Senfkorn“-Ausgabe sehen. Von einigen Verlagen wurde es als Bild ausgewählt, mit dem man die Jahreslosung 2016 illustrierte. Gefällt Ihnen dieses Bild? Wenn ich diese in warmen Farben gekleidete Frau anschaue, auf deren Knien zwei Kinder sitzen, dann denke ich an die vielen Mütter und Väter unserer Gemeinde, die tagtäglich ihre Kinder auf ihren Knien wiegen. Sie trösten und ermutigen, sie wiegen und schaukeln, sie lachen ihre Kinder an und bringen sie zum Lachen. Was für ein Schatz, wenn Kinder einen Menschen an ihrer Seite haben, der tröstet, der bestärkt und ermutigt.

Sind Sie ein Mensch, der in seinem Leben bisher in schwierigen Situationen getröstet wurde? Oder sind Sie meist nur auf Vertröstungen gestoßen: „Kopf hoch!“, „das wird schon wieder“, „bis Du heiratetest, wird alles wieder gut“, „nimm Dich doch zusammen“, „anderen geht es viel schlechter als Dir“. Kennen Sie solche trostlosen Bemerkungen, die wütend machen und verletzen? Wir Menschen brauchen in allen Lebensaltern wirklichen Trost, keine Vertröstungen. Zu viele Dinge kosten uns enorme Kraft, belasten oder schmerzen uns. Was für ein Glück, wenn in schweren Zeiten Menschen für uns da sind, die uns und unsere Gefühle aushalten, die uns einfach mal in den Arm nehmen, die für uns beten.

Sind Sie ein Mensch, der wie diese Mutter auf dem Titelbild andere trösten kann? Finden Sie die richtigen Worte für Ihre Kinder, den Partner oder die Partnerin, Eltern, Freunde, Kollegen? Können Sie einfach nur zuhören, aushalten, mitfühlen? Was für ein kostbares Geschenk für andere, wenn Ihnen das gelingt!

Mit dem Bild von Sieger Köder auf der Titelseite werden wir daran erinnert, dass uns Gott trösten will, so wie eine Mutter dies tut. Im 66. Kapitel des Buches des Propheten Jesaja finden wir wunderbar weibliche, mütterliche Beschreibungen für die Stadt Jerusalem und für Gott selbst. Er tröstet sein Volk, das nach der Gefangenschaft niedergeschlagen in Jerusalem ankommt. Er will auch uns trösten, wenn wir in unserem Alltag Trost brauchen – trösten, wie eine liebevolle Mutter, zärtlich und beschützend. Gott sagt uns: „Ich will Euch auf meinen Armen tragen. Ihr dürft auf meinen Knien schaukeln, ich werde Euch trösten, wenn ihr Euch elend fühlt. Ich bin immer für Euch da, vertraut mir. Ich will Euch Geborgenheit schenken.“
Papst Johannes Paul I., der leider schon nach 33 Tagen im Amt starb, sagte einmal: „Gott ist unser Vater, noch mehr: Er ist unsere Mutter!“ Die Welt horchte auf. Gott – unendlich gut, wie eine liebende Mutter. Ein Bild, nach dem sich die Menschheit immer wieder sehnt.

Ein neues Jahr liegt vor uns. Schenke uns Gott immer das Gefühl, dass er uns so geborgen hält wie die Mutter ihre Kinder auf dem Titelbild dieser „Senfkorn“-Ausgabe.



Ihre Pfarrerin Gisela Merkel-Manzer

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