Gedanken zum Titelbild

„Hier stehe ich und kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen!“

500 JAHRE REFORMATION

Wer kennt sie nicht, die Wartburg in Eisenach, die auf dem Titelbild unseres Gemeindeblattes zu sehen ist. Zu Fuß, mit dem Esel oder einem Kleinbus hat sie sicher so mancher erklommen. Die Wartburg wurde 1067 gegründet und beherbergte sowohl die Heilige Elisabeth von Thüringen (1211-1227) als auch Martin Luther (1521/22) als Junker Jörg. Sogar Wolfgang von Goethe weilte einmal hier. Für Luther war die Zeit auf der Wartburg eine bedeutsame Zeit. Hier fand er Schutz vor Verfolgung, hier arbeitete er ungestört und übersetzte in nur 11 Wochen das Neue Testament vom Griechischen ins Deutsche.

Auf der Wartburg hat Luther aber auch gelitten: Unter massiven Ängsten, Depressionen und Einsamkeit. Manchmal fühlte er sich wie von bösen Mächten verfolgt. Der Wurf mit dem Tintenfass nach ihnen wurde immer weitererzählt. Obwohl Martin Luther ein Mensch war, der tiefe innere menschliche Not und große Ängste kannte, bekam er doch den Mut, für seine reformerischen Ideen einzutreten, für sie zu kämpfen.

Als er beim Reichstag zu Worms Inhalte seiner Schriften widerrufen soll, sagt er:
"Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; … so bin ich durch die Stellen der Heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!"

In diesem Jahr begehen wir das 500-jährige Reformationsjubiläum. Es ist schön, sich immer wieder mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen und sich zu erinnern. Aber was wäre ein Reformationsjubiläum, wenn wir nicht heute in unseren Kirchen schauen würden, was bei uns dringend reformiert werden müsste? Welche Dinge würden Sie gern in der Kirche, in unserer Gemeinde verändern und neugestalten?

Trotz seiner Ängstlichkeit stand Luther für seinen Glauben ein. Wie sieht es bei uns aus? Stehen wir noch für unseren Glauben ein? Erzählen wir jemanden von dem, was uns im Leben trägt und hält? Laden wir andere zum Glauben, zur Gemeinde ein? Mit welcher Begeisterung erzählen wir unseren Kindern und Enkeln von Gott und Jesus Christus? Engagieren wir uns noch für das Wort Gottes, für seine Gemeinde? Wir alle haben die Möglichkeit, Kirche zu erneuern, zu verändern, zu gestalten. Auch wenn wir manchmal zweifeln, ob wir wirklich etwas bewegen können. Jede Idee, jedes Engagement, jede Kritik, jedes Gebet wird gebraucht, um Kirche immer wieder zu gestalten und zu erneuern.
Inmitten von Ängsten und Einsamkeit hat Luther Großes auf der Wartburg vollbracht. Keiner von uns ist zu schwach, zu jung, zu unbedeutend, um sich nicht für Gott und seine Sache mutig zu engagieren.

Ihre Pfarrerin Gisela Merkel-Manzer

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