Worte verleihen für das Unsagbare

Trauerweg auf dem Cottaer Friedhof

„Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was soll das mit diesen Schildern bloß werden? Es waren ja erst nur die leeren Ständer zu sehen. Man hat gesehen, dass da irgendetwas entsteht. Und dann war ich richtig hocherfreut. Ich gehe das alles genauso mit. Die Texte sind so, wie es mir geht und ergangen ist. Ich bin schon den ganzen Weg abgelaufen und jetzt suche ich mir immer mal eine Station aus, wo ich verweile.“

Petra Dörschel

Wenn uns E-Mails wie diese erreichen oder Friedhofsbesucher erzählen, wie Worte und Symbole des Trauerweges sie berühren, dann erfüllt der Trauerweg, was wir uns erhofft haben:

  • Trauernden Worte leihen für das Unsagbare
  • ihre Fragen und Ängste aufnehmen
  • sie bestärken, Gefühle zuzulassen
  • Hoffnung säen.

Den Anstoß für den Trauerweg gab Friedhofsmeister Hartmut Schneider. Er wollte Angehörigen helfen, den Verlust eines Menschen zu bewältigen und Schritt für Schritt ins Leben zurückzufinden. Mitdenkende fand er im Friedhofausschuss unserer Kirchgemeinde. Gemeinsam wurden zwei Jahre Ideen gesammelt, andere Friedhöfe besucht, Stationen festgelegt und um Texte gerungen. Wir wollten Trauer nicht erklären, sondern Trauernden ein Geländer für ihren Trauerweg geben. Entstanden ist ein Weg mit 12 Stationen: Entwurzelung – Steine – Mauer – Bank – Windspiel – Kreuz – Kriegsgräber – Brücke – Fenster – Schneckenhaus – Blumen am Weg – Apfelbaum. Die Namen der Stationen stehen für Symbole, welche neben kleinen Texten die Gefühle und Fragen Trauernder aufnehmen und Impulse mitgeben. Auch wenn der Trauerweg einen inneren Prozess von der Entwurzelung zum Apfelbaum abbildet, muss er nicht von Station zu Station gegangen werden. Trauerwege sind sehr individuell, das ist ihre Natur. So verweilt ein Trauernder bei der einen oder anderen Station länger oder kehrt zu Stationen zurück, bis er weitergehen kann.  Susanne Küchler, Friedhofsmitarbeiterin, schreibt:

„Ich ging an einem Sommerabend dieses Jahres über den Friedhof. Es waren weiter keine Leute da, nur von weitem sah ich eine junge Frau in schwarz gekleidet auf der Brücke sitzen. Sie wirkte völlig abwesend und in Gedanken versunken. Ich wollte sie nicht stören und ging einen anderen Weg und freute mich, wie gut unser Trauerweg angenommen wird.“

Als Symbol für den Trauerweg haben wir einen Baumstumpf gewählt. Er stellt ein inneres Geschehen dar: Wie „abgeschlagen“ kann das Leben ohne den anderen Menschen sein. Doch mit der Zeit treibt der Baumstumpf neu aus – erst ein Blatt, dann ein weiteres und noch eins. Neues wächst. In der Mitte des Baumstumpfes ist ein Kreuz zu erkennen – ein Zeichen für den Tod wie für das Leben mit Gott. Ohne vereinnahmen zu wollen, möchte der Trauerweg Hoffnung säen für Lebende und Tote. Neues wächst im Hier und Jetzt und in der Ewigkeit.

Nicht nur für Trauernde lohnt es sich, den Trauerweg zu gehen. Er regt an, über die Endlichkeit des Lebens nachzudenken und darüber, wie kostbar und schön das Leben ist.

Der Friedhofsausschuss
Heilandskirchgemeinde Dresden-Cotta

Dank

Der Stadtbezirk Plauen-Cotta hat für die Fertigstellung des Trauerweges 25.000 Euro Fördermittel zur Verfügung gestellt.
Herzlichen Dank!

Zurück