Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

(Offenbarung 22, 13)

Das Ende aller Sicherheiten, so hieß kürzlich das Motto eines Gottesdienstes mit dem sächsischen Landesbischof Tobias Bilz. Ein treffender Titel für die Situation unserer Welt und für das Jahr 2022 insbesondere. Haben wir nicht alle den leisen Verdacht, dass irgendetwas ins Rutschen kommt, dass wir an einer Zeitenwende stehen? Was immer auch danach kommt: Es beginnt mit dem Ende aller Sicherheiten. Das, was gestern galt, ist morgen fraglich. Die vielen Krisen erzeugen ein Gefühl der Verunsicherung. Krieg in der Ukraine, Putins Drohung mit Atomwaffen, Zerstörung, Tod, Flucht, Scheinreferenden, steigende Energiekosten, Inflation, Betriebspleiten, Existenznot, der angekündigte Wutwinter.

Dabei haben wir den letzten Aufreger kaum hinter uns gelassen. Corona, Mutationen, die Impfdebatte, Long-COVID, Schulschließungen, Querdenker und jede Menge hanebüchenes Geschwurbel.

Und Dauerbrenner Nummer drei dürfen wir natürlich auch nicht vergessen: die Klimakrise. Und damit den Dürresommer, Starkregen und Flutkatastrophen, der sterbende Wald, Generation Last Chance, festgeklebte Demonstranten, Elektromobilität und Endzeitszenario.

Im Iran werden Frauen ohne Kopftuch totgeprügelt, stabile Demokratien geraten in Gefahr, rechte Populisten haben Erfolg mit ihren Hassbotschaften, Trump, der Sturm aufs Capitol, Christen gegen Christen, Worship Songs zu wirren Verschwörungsdemonstrationen, und in der Abtreibungsdebatte heiligt der Zweck alle Mittel.

„There is slow train coming“ singt Bob Dylan bereits im Jahr 1979. Ein sprachliches Bild. Es meint: Da kommt was auf uns zu. Langsam, aber stetig. Unaufhaltsam mit Macht, mit Gewalt. Und wir merken selbst, es wird langsam eng.

Ich weiß nicht, ob man unsere Krisen, mit denen der Vergangenheit vergleichen kann. Sie sind auch nicht unbedingt schlimmer. Was mich aber beunruhigt: Es sind so viele auf einmal. Die eine verhindert die Bewältigung der anderen. Im Internet las ich: Ozzy Osbourne zieht von Amerika nach England, weil ihm Amerika zu verrückt geworden sei. Halten wir kurz inne. Ozzy Osbourne (!) denkt, Amerika sei ihm zu verrückt?! OZZY OSBOURNE! Der Mann, der Fledermäusen den Kopf abbeißt, Ameisen wie Kokain schnupft, den wir torkelnd und lallend bei The Osbournes sahen? Der Madman des Rock’n’roll sagt, Amerika sei ihm zu verrückt geworden. Das bedeutet eigentlich nichts anderes als: Wir sind wirklich und definitiv geliefert. Oder?

In diese Zeit hinein fällt ein Satz aus der Offenbarung. Dort sagt Gott: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Also: Mit mir steht und fällt alles. Ich, euer Schöpfer, stehe am Anfang und am Ende. Die einzige Sicherheit findet ihr in mir und bei mir. Das Stück - man weiß ja manchmal nicht, ob es eine Komödie oder ein Drama war - endet, wenn ich es beende. Die Welt existiert, weil ich sie ins Leben gerufen habe. Ich bin die Konstante. An mir geht nichts vorbei. Und niemand beendet die Geschichte ohne meinen Willen: Kein Putin, keine Klimakrise, keine neue Krankheit.

Und trotzdem gilt: There is a slow train coming! Das Ende der Welt kommt auf uns zu. Stetig und langsam, aber beständig. Wir hören bereits die Schiene pfeifen, der Zug rauscht heran. Wir sehen ihn noch nicht. Und der Schöpfer des Himmels und der Erde hat keinen genauen Fahrplan ausgehängt. Aber er hat immer gesagt: Beachtet die Zeichen und seid bereit! Es ist nur logisch: Niemand verlässt den Bahnhof, wenn er den ankommenden Zug hört.

Wir waren vor Kurzem in Erfurt. Dort schauten wir uns die Rückseite des Domes an. Dort war das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen dargestellt. Während die einen jammerten und wehklagten, hatten die anderen auf den Bräutigam gewartet und empfingen ihn fröhlich mit ihren Lampen. Sie waren vorbereitet. Die Christenheit hat immer auf die Wiederkunft ihres Herrn gewartet. Auch unsere jüdischen Geschwister haben immer auf die Ankunft des Messias gewartet. (Der einzige Unterschied besteht ohnehin nur darin, ob er bei Ankunft sagt: Schön euch wieder zu sehen. Oder: Schön euch endlich zu sehen.) Gemeinsam gilt für uns alle: Freunde, seid bereit! Ich komme bald.

Wir können uns in diesen unsicheren Zeiten darauf verlassen, dass Gott stabil bleibt. Er hat die Welt geschaffen. Er erhält sie. Und er rollt das Stück irgendwann zusammen wie eine Karte.

Gott sagt uns aber noch etwas anderes bzw. Jesus sagt uns noch etwas anderes in Matthäus 28, 20. (Ich weiß, die Trinität ist eine verflixt komplizierte Angelegenheit. Irgendwann ist mir allerdings klar geworden. Die ganze Sache funktioniert nur, wenn man sich daran erinnert, dass Gott selbst in Jesus Mensch wurde. Dass er, der Schöpfer, sich in Gestalt eines seiner Wesen begab. Mit allen Begrenzungen und Zerbrechlichkeiten, als vollständiger Mensch. Und dass wir in seinem Reden den Schöpfer selbst hören.) Ganz am Ende des Matthäusevangeliums sagt also Jesus: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. (…) Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Der letzte Teil war mein Konfirmationsspruch. Ich fand, diese Zusage zeigt mir, dass ich gehalten bin und meine Angst ablegen kann. Er ist jeden Tag bei mir und lässt mich nicht los. Gott selbst passt auf mich auf. In den Worten Jesu hören wir hier den Namen Gottes, den er selbst Mose in der Wüste offenbart hatte: Jahwe. Und das heißt: Ich bin der ich bin. Ich bin bei euch. Auch in diesen unsicheren Zeiten

Bis dahin bleibt eine Menge zu tun. Zwischen den angegebenen Versen steht der Auftrag Gottes an uns: Darum gehet hin und lehret alle Völker. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten, was ich euch befohlen habe. Erzählt den Menschen von Gottes Liebe. Lebt Gerechtigkeit. Seid füreinander da und helft einander zu glauben.

Und wer noch etwas Zeit hat, der pflanzt noch schnell (als guter evangelischer Christ): Ein Apfelbäumchen.

Jörn Bohn
Ehrenamtlicher und Prädikant in unserer Gemeinde

aus älteren Senfkörnern

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(Offenbarung 22, 13)

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